 | Leseprobe: Gesina Cramer, "Sieben bis acht" in: Zwischenstation und 35 andere Hotelgeschichten
(. . .)
Agnes trinkt ihren Kaffee aus. Im nächsten Moment schlurft der Kellner heran und nimmt ihr die Tasse weg.
„Und nu raus hier“.
„Wohin?“ fragt Agnes mich.
„Mein Zimmer“, schlage ich vor.
„Du hast dir ein Zimmer genommen?“
„Klar.“
„Was kostet das?“
Ich sage es ihr. Sie ist fassungslos.
„Für ein Zimmer!“
„Für ein Zimmer, ein frisch bezogenes Bett, ein Bonbon auf dem Kissen
und eine nette Telefonstimme, die mich weckt und mir einen schönen Tag
wünscht.“
„Verschwender.“ Sie kann es nicht fassen, wieviel Geld es mich
kostet, dass mich hier keiner mehr kennt. Wahrscheinlich könnte Agnes
bei jedem zweiten Hamburger problemlos eine Nacht auf dem Sofa
unterkommen, weil sie ihm irgendwann auf einer Party, einer Demo oder
einem Elternsprechtag begegnet ist.
„Ich bin nie aus Hamburg rausgekommen“, hat Agnes einmal gesagt,
bei einem unserer seltenen Telefonate. „Mir hat nie was gefehlt. Und
dir?“
(. . .)
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Die vollständige Geschichte ist erschienen in:

Zwischenstation und 35 andere Hotelgeschichten hg. von Christopher Kaatz Mohland Verlag
ISBN 978-3-86675-111-8
EUR 12,50
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