 | Leseprobe: Ann-Christin Jeschor, "Die Ruhe vor dem Sturm" in: Zwischenstation und 35 andere Hotelgeschichten
(. . .)
Arielle
wollte in ungelesenen Romanen schwelgen. Sie wollte melancholische
Musik hören und bei einem Glas Rotwein altmodisch lange und drängende
Briefe an ihren Bruder und seine Familie schreiben. Sie wollte sich
halbherzig gut gemeint von ihnen über die Weihnachtsfeiertage nach
London einladen lassen, nur um alle Jahre wieder ‚from the bottom of
her heart’: „Nein, Danke!“, antworten zu können. Sie wollte auf Richard
warten, der sie wie immer um Verständnis bitten und nicht wissen würde,
woher er die Zeit nehmen sollte. Sie wollte wütend auf Richard sein,
einen Grund haben sich in Büchern zu vergraben, melancholisch zu sein,
die Familie Familie sein zu lassen. Kurz gesagt: Seit Wochen freute sie
sich wie ein Kind darauf sich, in dem tristen und selbstmitleidigen
Wintereinerlei eines britischen Seebades, das den Stürmen und Fluten
des Lebens seit Jahrhunderten eigensinnig trotzte, sonnen zu dürfen.
Weder
hatte Arielle bemerkt, dass sie den Besen wie einen Geliebten
umklammerte, noch dass ein Mann im Türrahmen lehnte und sie
betrachtete. Hatte sie wirklich nicht getanzt?
(. . .)
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Die vollständige Geschichte ist erschienen in:

Zwischenstation und 35 andere Hotelgeschichten hg. von Christopher Kaatz Mohland Verlag
ISBN 978-3-86675-111-8
EUR 12,50
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