 | Leseprobe: Myrna Maxam, "Leppe ist nicht Chelsea" in: Zwischenstation und 35 andere Hotelgeschichten
(. . .)
Ich bin wohl der Einzige hier, der den Zirkus
durchschaut. Wird Oberhuber meine gesellschaftskritische, dem schnöden
Konsum von Kunst entgegen gerichtete revolutionäre Haltung anerkennen?
Das Telefon lässt mich aus meinen tiefsinnigen Gedankengängen hochschrecken.
„Ja, bitte?“
„Room Service. Die Kollegin steht vor Ihrer Tür.“
„Ach ja?“
„Na, Sie haben das „Bitte nicht stören“-Schild rausgehängt …“
„Ich weiß. Das hängt bei mir immer.“
„Die Kollegin darf dann aber nicht bei Ihnen klingeln.“
„Und deshalb rufen Sie jetzt an?“
„…“
„Stört anrufen weniger als klingeln?“
„Nein. Ja … Ich weiß nicht …So ist halt die Vorschrift.“
„Aber ich hab doch Wein bestellt. Dann ist doch klar, dass es nicht stören kann, wenn Sie ihn bringen, oder?“
„Also machen Sie der Kollegin denn die Tür auf? Oder möchten Sie den Wein jetzt doch nicht mehr?“
„Ich hab doch gerade versucht … Ach, egal. Ich mach jetzt auf!“
Tiefes Atmen am anderen Ende der Strippe.
Jetzt hätte sie wohl gern genervt aufgeseufzt. Aber das darf sie ja nicht.
„Auf Wiederhören, Herr Toromanov.“
Ich hasse Menschen mit Selbstbeherrschung.
(. . .)
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Die vollständige Geschichte ist erschienen in:

Zwischenstation und 35 andere Hotelgeschichten hg. von Christopher Kaatz Mohland Verlag
ISBN 978-3-86675-111-8
EUR 12,50
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